4 Arten von Vorgesetzen, die der Rückdelegation zum Opfer fallen

Hörst du in deinem Kopf das Lachen deiner Mitarbeiter? Nicht aller vielleicht, aber einiger? Warum die lachen und worüber fragst du dich? Du bist nicht allein. Jeden Tag lachen viele Mitarbeiter über ihre Vorgesetzten. Das wollen wir nun ändern. Für immer.

Rückdelegation verstehen

Findest du dich als Chef oft in der Situation wieder, dass du Aufgaben erledigst, die eigentlich deine Mitarbeiter übernehmen sollten? Fragst du dich, warum das so ist? In diesem Beitrag zeige ich dir vier Typen von Chefs, die regelmäßig vor diesen Herausforderungen stehen. Lies weiter!

Was ist Rückdelegation?

Wenn eine Aufgabe, die du an einen Mitarbeiter delegiert hast, wieder bei dir landet und du sie dann selbst bearbeitest, spricht man von Rückdelegation oder auch Monkey-Business.

Ein Chef, der diese rückdelegierten Aufgaben einfach übernimmt, macht die Arbeit, die eigentlich seine Mitarbeiter machen sollten. Das führt dazu, dass er keine Zeit für seine eigentlichen Aufgaben hat. Hier sind vier Typen von Chefs oder Situationen, die das beschreiben. Vielleicht erkennst du ja den einen oder anderen.

Die 4 Arten von Vorgesetzen, die der Rückdelegation zum Opfer fallen

Typ 1: Der Kumpeltyp

Der Kumpeltyp ist der Chef, der immer nett und verständnisvoll ist. Harmonie ist ihm besonders wichtig. Allerdings kann so jemand schlecht Nein sagen. Der Kumpeltyp möchte ja schließlich von allen gemocht werden und will es jedem recht machen. So ein Verhalten führt dann zwangsläufig zu Problemen, denn die Mitarbeiter lernen schnell, dass sie den Chef leicht ausnutzen können.

Beispiel:

„Chef, ich würde heute gern früher gehen, um mit meinen Kindern in den Freizeitpark zu fahren. Ich müsste aber noch die Präsentation für den Vertrieb fertig machen. Könntest du das bitte für mich übernehmen?“

„Ja, klar kann ich das für dich erledigen, Anna. Kein Problem. Hab Spaß mit deinen Kindern.“

„Danke Chef, du bist der Beste.“

Typ 2: Der Kontrollfreak

Der Kontrollfreak ist eine Unterform des Micromanagers. Er gibt seinen Mitarbeitern alles bis ins Kleinste vor und räumt ihnen keinen Freiraum ein. Für die Mitarbeiter ist das hochgradig demotivierend und frustrierend. Vor allem aber prägt diesen Kontrollfreak, dass er alles unter Kontrolle haben möchte. Er hat eine fast panische Angst vor Kontrollverlust. Er will Klarheit, Berechenbarkeit und über alles und jeden informiert sein.

Beispiel:

„Anna, wie läuft die neue Branding-Kampagne? Ist das neue Logo schon fertig?“

„Ja, Chef, das Logo ist fertig und die Kampagne läuft nach Plan.“

„Hast du die Entwürfe geprüft? Sind alle Farbvarianten getestet? Und hast du die Präsentation für den Kunden vorbereitet?“

„Ja, Chef, ich habe alles überprüft und die Präsentation ist bereit. Ich mache das ja nicht zum ersten Mal.“

Diese Kontrollsucht ist frustrierend und demotivierend für die Mitarbeiter. Aber auch für die Führungskraft hat so ein Verhalten negative Auswirkungen. Aufgrund der Angst vor Kontrollverlust und dem geringen Vertrauen in die Mitarbeiter übernimmt der Chef letztendlich die Aufgabe selbst.

Beispiel:

„Okay, Anna, ich schaue es mir trotzdem nochmal selber an. Sicher ist sicher. Schick mir den Entwurf der E-Mail und den Kostenvoranschlag nochmal zu.“

Das Schlimme daran ist, mit der Zeit erzieht der Chef seine Mitarbeiter so zur Unselbstständigkeit. Nach einiger Zeit wundert er sich dann, warum die Mitarbeiter scheinbar keine eigenen Ideen haben. „Wie konnte das denn passieren? Meine Leute haben einfach keine Ideen.“

Typ 3: Der Überlastete

Der Überlastete verbringt gut und gerne seine 60 Stunden pro Woche im Büro plus Wochenende. Abends um 22:00 Uhr sitzt er noch alleine im Büro und seine Devise lautet: „Augen zu und durch“. Je mehr Aufgaben er zu erledigen hat, desto wohler fühlt er sich anscheinend.

Beispiel:

„Chef, ich komme bei meinen aktuellen Projekten momentan zeitlich nicht weiter. Ich habe noch so viele andere Aufgaben und es wird mir alles viel zu viel.“

„Anna, dann gib mir mal die Präsentation für den Aufsichtsrat. Ich werde mich darum kümmern.“

„Danke, Chef.“

* [Chef murmelt vor sich hin] * „Anna, so ein Weichei, als ob das zeitlich nicht zu schaffen wäre. Müsste sie halt noch mehr Überstunden machen. Aber nein, das macht sie natürlich nicht. Da wird es dann halt auch nichts mit der Karriere von der.“

Der Überlastete holt sich eine weitere Aufgabe auf seinen Schreibtisch, obwohl dort eigentlich gar kein Platz mehr ist und er gar keine Zeit hat. Um sich selbst und anderen zu zeigen, wie belastbar er ist, sagt er trotzdem ja und übernimmt zusätzliche Aufgaben.

Typ 4: Der Ungeduldige

Der Ungeduldige arbeitet mit einer sehr hohen Taktfrequenz. Er ist permanent in Action. Wenn die Mitarbeiter seiner Meinung nach zu langsam arbeiten, dann holt er sich die Aufgabe lieber wieder zurück. Da erledigt er lieber selber, anstatt zu warten.

Beispiel:

„Mann, Mann, Mann. Wo bleibt denn der Bericht von Anna? Der ist immer noch nicht da. Ich rufe sie am besten gleich mal an. Anna? Ja, ich warte immer noch auf deinen Bericht. Wann bist du damit fertig?“

„Ja, Chef. Die Bahn hatte Verspätung, dann fuhr der Pendelbus nicht, und dann hatte der Ersatzbus eine Panne…“

„Anna, zur Sache. Weißt du was? Ich erledige das lieber selber. Dann wird es wenigstens gemacht. Schick mir den Entwurf zu. Danke, tschüss.“

* [Chef murmelt vor sich hin] * „Alles muss man selber machen.“

Zusammenfassung

Hast du dich wiedererkannt oder hast du einen der vier Typen in deinem Vorgesetzten wiedererkannt? Habe ich einen Typ in der Aufzählung vergessen? Schreib es mir doch einfach per E-Mail. Mich würden deine Erfahrungen dazu sehr interessieren.

Hier schreibt Kai Boyd
Mit jahrzehntelanger Erfahrung in Führungspositionen, darunter bei PricewaterhouseCoopers und Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio und weg.de, hilft Kai Boyd Unternehmern und Einzelkämpfern, ihre Führungsfähigkeiten zu verbessern. Der Münchner und begeisterte Jogger bringt Expertise aus Konzernen, dem Mittelstand und Start-ups ein.

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