Kann man sich selbst coachen?

Coachen und Feedback

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Coaching hat in den letzten Jahren an Popularität gewonnen. Das wird an den vielen Vorteile liegen, die es bietet. Für Führungskräfte ist es als eine Form der beruflichen Entwicklung zur Normalität geworden. In manchen Firmen oder auf bestimmten Positionen wird es sogar erwartet.

Allerdings kann es auch ziemlich teuer sein und ist daher nicht für alle Führungskräfte gleichermaßen verfügbar. Ich möchte dir von einem 6 Schritte Progamm erzählen, dass dir dabei helfen soll, dich selbst zu coachen. Das möchte ich dir unter keinen Umständen vorenthalten. Die Fragen also lautet:

Ist es schwer, sich selbst zu coachen?

Die kurze Antwort lautet: ja.

Sich selbst zu coachen kann hart sein, muss es aber nicht. Im Wesentlichen bedeutet Selbst-Coaching, quasi neben sich selbst zu stehen. Und wie du da so neben dir stehst, reflektierst du, was gesagt werden muss, um dir zu helfen, dein eigenes Potential zu entfalten und deine Ziele zu erreichen.

Allerdings ohne einen Rahmen oder Prozess, dem du folgen kannst, kann es verlorene Liebesmüh sein, dich selbst zu coachen. Wir alle haben blinde Flecken. Das wissen wir. Und wir wissen auch, dass andere diese leichter sehen können als wir selbst. Oft allerdings wissen wir auch, was wir ändern müssen. Seltsamerweise fühlen wir uns selbst nicht immer dafür verantwortlich, es so umzusetzen, wie wir es mit einem externen Coach tun würden. Als wenn jemand externes uns daran erinnert und uns anfeuert.

Hier kann dir dieser 6-Schritte-Prozess helfen. Mit einer robusten Struktur, der du folgen kannst, bist du in der Lage, dich selbst durch einen soliden Coaching-Prozess zu führen.

6 Schritte zu einem stärkeren du

Schritt 1: Sich selbst einschätzen.

Es ist schwer, sich zu ändern, wenn du nicht weißt, was sich ändern muss. Deshalb ist der erste Schritt, sich seiner selbst bewusster zu werden.

Durch eine Mischung aus verschiedenartigen Bewertungen (Ich empfehle dir unter vielem anderen das KARIOS Entscheiderprofil, dass du hier findest), kannst du deine Stärken, Persönlichkeitsmerkmale und Vorlieben entdecken. Aber auch Bereiche, wo es, salopp gesprochen, room for improvement gibt. Du kannst auch Aktivitäten, Kompetenzen oder Rollen identifizieren, die du lieber vermeiden als entwickeln möchtest.

Schritt 2: Entwickle deine Vision.

Sich selbst zu kennen ist nur die halbe Miete. Du musst dir auch darüber im Klaren sein, wohin du gehen willst. Hab keine Angst davor, in großen Dimensionen zu denken. Eine starke Vision braucht Jahre, um sie zu erreichen.
Um dir zu helfen, eine Vision für deine Führung zu entwickeln, solltest du die folgenden Fragen beantworten:

  • Gibt es jemanden, den du für eine gute Führungskraft hältst? Warum?
  • Was sind dessen besten Eigenschaften?
  • Was sind die Führungsqualitäten, in denen du besser sein willst? Warum?

Gute Führungskräfte gibt es in allen Kategorien. Jeder hat andere Eigenschaften und Stärken. Es gibt zwar gemeinsame Eigenschaften wie Vertrauen, gutes Zuhören, Neugier, Mut und Integrität, aber es gibt keine perfekte Führungskraft für alles.

Wenn du dir klarmachst, welche Art von Führungskraft du sein möchtest, wird dir das helfen, dich auf die Entwicklung dieser, von dir identifzizierten Eigenschaften zu konzentrieren.

Schritt 3: SMART-Ziele entwerfen

Hier gbit es ja eine Menge Berater, die SMARTe Ziele für falsch und sogar kontraproduktiv halten. Als Führungskraft kann ich dir sagen, dass ist kompletter Unsinn. Es ist natürlich kein one fits all Tool, aber es passt öfter, als man glaubt. Und so ist es auch hier. Die aufstrebende Vision muss in eine praktischen Umsetzung überführt werden. Und das geht mit SMART super – hier ist ein Blogpost dazu, falls du nochmal wissen willst, wie es geht. Meine Empfehlung ist also, dass basierend auf dem, was du über dich selbst weißt und wo du gerne sein möchtest, du 1-3 SMART-Ziele aufschreiben solltest.

  • SMART-Ziele sind spezifisch, messbar, erreichbar, realistisch und rechtzeitig.

Du solltest dir 60-Tage-Ziele zu folgenden Themen machen:

  • Entscheide, was DU willst. Wähle Ziele aus, die du hoffst, für dich selbst zu erreichen und nicht, um andere zu beeindrucken.
  • Präzisiere deine Ideen. Anstatt regelmäßiger 1to1s oder bessere Teammeetings durchzuführen, möchtest du vielleicht immer eine Agenda haben oder die ersten 30 Minuten nur den Mitarbeiter sprechen lassen.
  • Finde heraus, wer dir bei deiner Entwicklung helfen kann. Beantworte die 5-W-Fragen: Wer, Was, Wann, Wo und Warum. Wer kann dir helfen? Was kann er oder sie exakt für dich tun? Warum kann er oder sie dir helfen? Wann hilft er oder sie dir am besten? Wo wirst du mit ihm oder ihr zusammenkommen?
  • Bestimme, wie du den Erfolg messen wirst. Je klarer, desto einfacher wird es sein, den Fortschritt im Blick zu haben und zu entscheiden, was funktioniert und was nicht. Quantifizierbare Metriken sind vorzuziehen, aber je nach Ziel sind qualitative Metriken vielleicht besser geeignet.
  • Bestimme, wann und wo du aktiv sein wirst. Was wirst du wann, wo und mit wem durchführen? Wird es täglich sein? In jedem Meeting?

Hier ein Beispiel

Ich möchte besser zuhören. Vor allem wenn ich in einem Einzelgespräch oder in einem Meeting bin. Ich werde nun in möglichst jedem Meeting folgende Übung machen: ich wiederhole, was jemand in der Zusammenfassung gesagt hat. Das hilft mir mich darauf zu konzentrieren eine gute Beziehungen mit meinen Mitarbeiter aufzubauen – etwas, was ich als effektive Führungskraft brauche. Ich werde mich 60 Tage lang darauf konzentrieren und ich werde die Beispiele jede Woche dokumentieren und am Ende der 60 Tage neu bewerten.

Deine Zielerklärungen können lang werden. Betrachte sie als Anfang deines Fahrplans in Richtung deiner Vision. Wenn es dir schwer fällt sie zu erstellen, solltest du dir vielleicht Hilfe von außen holen – ein zweites Paar Augen sozusagen.

Schritt 4: Einen Partner finden

Nur wenige von uns sind in der Lage, sich selbst in gleichem Maße zur Verantwortung zu ziehen wie ein externer Partner. Es kann eine Herausforderung sein, die richtige Person zu finden, aber es ist die Mühe wert. Du wirst deine Chancen, deine Ziele und Visionen zu erreichen, deutlich erhöhen.

Der ideale Partner wird diese Kriterien erfüllen:

  • Er ist ehrlich. Du brauchst keinen Cheerleader, du brauchst eine Person, die dich ausreden lässt, dir eine andere Perspektive anbietet und dich und deine Pläne kritische hinterfragt.
  • Sie sind wirklich engagiert. Du solltest nicht jemanden davon überzeugen, dein Partner zu sein, wenn er nicht bereit ist, den Job zu übernehmen. Es braucht Zeit, sich regelmäßig mit dir zu treffen. Es kann sein, dass sie dir Dinge sagen müssen, von denen du nicht begeistert sind wirst. Es kann also eure Beziehung strapazieren. Diese Rolle muss ernst genommen werden. Such dir jemanden, der bereit ist, sich richtig einzubringen.
  • Respektiere sie. Dein verantwortungsbewusster Partner wird Dinge sagen, die dir nicht gefallen oder die du nicht hören willst. Das gilt vor allem, wenn du deine Ziele nicht erreichst. Du musst diese Person respektieren und ihr genug vertrauen, um zuzuhören und offen für ihr Feedback zu sein. Idealerweise hat diese Person auch Erfahrungen, die sie besonders gut geeignet macht, dir zu helfen.
  • Ein Partner fürs Coachen kann ein Familienmitglied, ein Kollege oder ein enger Freund sein, solange er die oben genannten Kriterien erfüllt.

Richte regelmäßige Check-Ins mit deinem Partner ein. In welchem Format auch immer – das, was für dich am besten geeignet ist. Das können wöchentliche 15-minütige Zoom-Calls oder einmal im Monat gemeinsam zum Mittagessen gehen sein.

Schritt 5: Denke über den Fortschritt nach und belohne dich selbst

Alle 60-90 Tage ist es Zeit zurückzublicken. Was hst du unternommen? Welche Fortschritte hast du in Richtung deiner Ziele gemacht? Was hat gut funktioniert und wo möchtest du vielleicht etwas Neues ausprobieren?

Du wirst nicht immer Fortschritte sehen, aber das ist OK. Du bleibst eher motiviert, wenn du die großen und kleinen Siege feierst. Nutze diese Zeit, um dich wieder für laufende Ziele zu motivieren oder neue, angemessenere Ziele zu definieren.

Vergiss nicht, dich selbst zu belohnen, wenn du dich an den Plan hältst und Fortschritte machst. Behandle dich so, wie es für dich sinnvoll ist. (Ich persönlich belohne mich meistens mit irgendeinem sinnlosen Gadget).

Schritt 6: Andere befähigen

Wenn du dich selbst coachst, vergiss nicht, auch andere zu unterstützen und zu coachen. Lobe auch deine Teammitgliedern. Wenn an coached, dann lernt man auch viel über sich. Und das hilft dir beim selbst coachen.

Coaching funktioniert

Coaching funktioniert, wenn du den richtigen Coach hast und bereit bist, gecoacht zu werden. Wenn du dich selbst coachen willst, musst du dem Prozess vertrauen, einen starken Partner haben und mit einer neugierigen und optimistischen Denkweise vorranschreiten.

Du kannst die Führungskraft werden, die du immer haben wolltest.

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Bild von iStockphoto

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Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.

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