Coaching als Führungskraft

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Weniger sagen, mehr fragen, mehr wagen – Coaching als Führungskraft

Alle und alles wird heute in Echtzeit überprüft. Das Smartphone macht dies möglich. Wir alle nutzen es extensiv. Wir überprüfen heutzutage alle Aussagen unserer Mitarbeiter, Kollegen und Vorgesetzten mit dem Handy.

Führungskräfte werden somit nicht mehr als Autorität wahrgenommen. Das Internet hat diesen Platz eingenommen. 

Probleme werden heute anders gelöst: mit der Hilfe eines internetfähigen Supercomputers. Wir sind äußerst einfallsreich und effizient darin geworden, das Internet zu nutzen. 

Häufig wenden wir uns zuerst an Google, YouTube oder Alexa. Dort finden wir die Antworten auf unsere Fragen. Auf die Idee, unsere Führungskräfte zu fragen, kommen wir erst gar nicht. Die Führungskräfte stellen in der Zukunft somit per se keine Autoritäten dar. Führung muss anders werden. Als Leitfaden dienen. Selbstgesteuertes Lernen, Fehler und Erfolge werden die Personalführung zukünftig mehr bestimmen.

Führung und Coaching werden enger verzahnt werden. Aus Führen wird Coachen und umgekehrt.

Die Führungskraft als Coach führt anders. 

Die Führungskraft muss

  1. neugierig sein.
  2. Fragen stellen.
  3. gut zuhören können.
  4. dafür sorgen, dass der Anlass und das Coaching zeitlich eng verzahnt sind. Wirkung und Transformation nehmen mit zunehmender Zeit ab.
  5. häufig kurz für ein Coaching-Gespräch zur Verfügung stehen und nicht lediglich ein-, zweimal im Jahr ein Feedbackgespräch halten.

Coaching führt zu einer Reflektion. Wir wenden uns nach innen. Dort finden wir die richtige Antwort. Dieser Prozess der Selbstreflektion und Selbsteinschätzung ermöglicht es uns, produktiver und unabhängiger zu werden. Unsere selbst entdeckten Lösungen können wir anschließend auf ähnliche Situationen anwenden. Und zwar auf diejenigen, auf die wir in der Zukunft treffen werden.

Coaching als Führungsprinzip führt zu einem höheren Buy-in deiner Mitarbeiter. Der Mitarbeiter kann entweder allein oder gemeinsam mit dem Coach zur Lösung kommen.

Lernfreude schlägt Ratschlag. Als Führungskraft muss man das wissen. Denn Ratschläge sind auch Schläge. Keiner wird gerne und ungefragt geschlagen. Führungskräfte müssen diesem Drang widerstehen. Sie sollten mehr Fragen stellen und weniger bis gar keine Anweisungen und Ratschläge geben. Neugierde ist die bestimmende Eigenschaft der Führungskraft der Zukunft. Und wer neugierig ist, stellt Fragen.

Fragen stellen ist das, was Coaching transformativ macht. Aber die richtigen Fragen zu stellen ist nicht einfach und erfordert viel Übung. Führungskräfte müssen lernen, genau die Fragen zu stellen, die eine angemessene Reflektion unterstützen.

Weniger sagen und mehr fragen ist das Führungsprinzip der Zukunft. Führungskräfte werden zukünftig viel mehr fragen. Die Art und Weise, wie wir führen, wird sich ändern. 

Versuch es also im nächsten Mitarbeitergespräch einmal mit den folgenden Fragen (du wirst dich über die Antworten wundern – und vor allem über das Ergebnis …):

  • Was hast du auf dem Herzen?
  • Und was noch?
  • Was ist die eigentliche Herausforderung für dich?
  • Wie kann ich dir helfen?
  • Was war für dich hier am nützlichsten oder wertvollsten?

Wer viel fragt, muss auch zuhören.

Frag mal im Meeting, wer glaubt, dass er überdurchschnittlich gut zuhören kann. Ich wette, es sind die meisten. 

Umfragen zufolge halten sich 96 % der Erwachsenen für gute Zuhörer. 

Studien zeigen jedoch, dass wir uns nur 25 % von dem, was wir hören, auch merken können. Und dummerweise haben unsere Gesprächspartner oft den Eindruck, dass NOCH weniger des Gesagten tatsächlich ankommt. 

Lesen, Schreiben und Sprechen haben wir in der Schule gelernt. Der durchschnittliche Schüler verbringt etwa 10 Jahre (Klassen 1-10) damit, seine Lese- und Schreibfähigkeiten zu trainieren.

Aber was ist mit dem Zuhören? Wo und in welchem Ausbildungsabschnitt fand das statt? Wie viele Jahre hast du damit verbracht, diese kritische Fähigkeit zu trainieren? Wahrscheinlich gar keine.

Führungskräfte haben in der Regel ein erhöhtes Mitteilungsbedürfnis. Wenn du zukünftig Mitarbeiter führen willst, wird es ohne aktives Zuhören nicht mehr gehen. Mitarbeiter merken schnell, ob du es ernst meinst. Wer eine Frage stellt und sich nicht auf die Antwort freut, ist schnell unten durch. 

Aber zuzuhören ist hart, weil wir diese Fertigkeit selten oder nie richtig geübt oder trainiert haben. Deshalb werden die meisten von uns in ihrem Leben nicht wirklich gehört. Bei der Führung von Mitarbeitern ist das tödlich. 

Zuhören fördert die Motivation.

Gutes Zuhören ist eine Frage der Übung. Und es lohnt sich. Zuhören als Führungskompetenz wird immer wichtiger.

Durch echtes Zuhören entsteht eine zwischenmenschliche Bindung, denn jeder Mitarbeiter möchte gehört und verstanden werden. Es ist eine Grundvoraussetzung für eine offene und lösungsorientierte Führung.

Lass uns also einmal die Perspektive wechseln: Hören ist das Nötige, und Zuhören ist die Strategie. Du hörst mit den Ohren, aber das Zuhören erfolgt mit dem Hirn. Und wie bei den meisten strategischen Dingen gibt es auch beim Zuhören mehr als eine Möglichkeit.

Angehört zu werden fühlt sich gut an. 

Also ist  es eine gute Idee, einem Mitarbeiter Aufmerksamkeit zu schenken. In der Realität klappt das aber kaum: Zuhörende Führungskräfte sind sehr selten.

Warum nutzen Führungskräfte diese Eigenschaft nicht häufig genug?

Dafür gibt es viele Gründe. Für die meisten Führungskräfte ist heute das Reden das, was ihre Tage kennzeichnet. Fragen beantworten. Richtung vorgeben. Mit Menschen darüber sprechen, was getan werden muss. 

Führungskräfte suchen oft den „Vorspulknopf“, wenn ihre Mitarbeiter sprechen. Trifft auf dich nicht zu? Auf deinen Chef aber schon? Viele denken ja immer, dass alles nur die „anderen“ sind… also sie selber können sich damit identifzieren, aber glauben nicht, dass sie selber den Fehler auch machen. Machen sie aber….

Oder du betreibst Multitasking (unsere Smartphones helfen dabei leider sehr). Führungskräfte sind ungeduldig mit sprechenden Mitarbeitern. Das Zuhören betrachten sie nur als eine passive Form des Einflusses. 

Fragen stellen und aufmerksam zuhören bietet dir bei der Führung enorme Chance. Du wechselst auf eine andere Ebene der Führung, wenn du wirklich zuhörst. Zeig deinen Mitarbeitern, dass du dich für sie interessierst. Lern von ihnen. Begeistere dich für ihre Arbeit. Du wirst es dir und sie dir auch danken. Gehörte Mitarbeiter schöpfen ihre Ermessensspielräume für dich und ihr Unternehmen aus. Sie gehen die Extrameile.

Nur eine Woche lang fragen und zuhören reicht aber nicht. Es ist kein Schnellschuss. Vergiss die Motivationsrede, die einmalige Blut-Schweiß-Tränen-Rede. Das ist Hollywood-Motivation. Ein gutes Miteinander entsteht, wenn man ernst genommen wird. Es kommt, wenn man sich für seine Mitarbeiter interessiert. Und für das, was sie interessiert.

Führung geschieht, wenn du einer anderen Person zuhörst. Ganz bewusst und mit deiner vollen Aufmerksamkeit.

Ohne Zuhören ist effektives Coaching nicht möglich. Coaching braucht auch keine Stunden. Wer sagt eigentlich, dass alle Meetings immer eine Stunde dauern müssen. Nur weil Outlook das so voreingestellt hat? Effektives Coaching kann in zehn Minuten oder weniger durchgeführt werden. Kurze Interaktionen sind wichtig. Besser häufiger und kürzer.

Behandle ein bestimmtes Thema. Nicht mehrere Themen oder mehrere Projekte. Das hilft, die Sitzungen kurz zu halten. Plane einfach nur 10 Minuten. Am besten im Stehen oder beim Gehen.  

Die üblichen Überprüfungsprozesse zur Jahresmitte und zum Jahresende gehören dann der Vergangenheit an. Die Abschaffung wird den Mitarbeitern und den Führungskräften mehr Zeit zum Coaching geben.

Fazit

Neben vielen Eigeschaften, die eine gute Führungskraft ausmachen, ist das Zuhören eine der wichtigsten. Das war zwar schon immer so, aber wenn die Führungskraft zunehmend Coaching in sein Führungsportfolio aufnimmt, dann wird es umso wichtiger. 

Dieser Artikel basierte auf dem Podcast „Dein Team, Deine Pflicht“. Um diese und viele andere Episoden zu hören, kannst du den Dein-Team-Deine-Pflicht Podcast abonnieren: iTunesSpotify und Deezer. Verpass nie mehr ein Arbeitsblatt, eine Episode oder einen Artikel: Abonniere den Newsletter.

 Photo by Danielle MacInnes on Unsplash

Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter Pricewaterhousecoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.