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Wie du mit einem micromanagenden Chef umgehen kannst

Micromanager

Wir wissen es alle. Wenn dein Chef ein Micromanager ist, dann ist das ein Albtraum. Niemand mag einen micromanagenden Chef, der einen dauernd kontrolliert, dauernd nach dem Rechten sieht. Gerade in der Homeoffice-Situation der letzten Monate wurden die Grenzen das ein oder andere Mal wahrscheinlich etwas überschritten.

Es hat nichts mir dir zu tun

Du bist mit dem Problem nicht allein. Micromanager gibt es massenweise und in verschiedenen Ausprägungen. Das hat aber nichts mit deiner Leistung zu tun. Es hat mehr mit der inneren Unruhe und dem Bedürfnis deines Vorgesetzten/deiner Vorgesetzten zu tun, eine Situation zu kontrollieren. 

Nicht du musst dich ändern, sondern die Person muss sich besser im Griff haben.

Allerdings: Mircomanagement-Verhalten ist extrem lästig. Es drückt die Moral nach unten. Es ist sowohl ineffizient als auch ineffektiv. Es ruiniert nicht nur das Individuum, sondern kann sogar ein ganzes Team in eine Abwärtsspirale bringen. 

Zum Glück gib es Möglichkeiten, dem zu entgehen. Du musst nicht unter einem micromanagenden Chef leiden. Was kannst du tun und was solltest du vermeiden?

Sich dagegen aufzulehnen bringt nichts

Sich gegen Micromanagement  zu wehren funktioniert leider nicht. Je mehr du in den Widerstand gehst, desto mehr wirst du gemicromanagt werden und desto schlimmer wird es. Du kannst die Art und Weise, wie dein Vorgesetzter führt, nicht ändern. Experten sind sich einig, dass es sich nicht lohnt, ja sogar kontraproduktiv ist, gegen ein solches Micromanagement anzukämpfen.

Wenn du dich wehrst (egal ob passiv oder aggressiv), wird deine Führungskraft zu dem Schluss kommen, dass man dir nicht trauen kann, und wird sich noch mehr einmischen. Es ist verlockend, sich zu beschweren. Aber es ist überhaupt nicht ratsam. Wenn ich Geringschätzung spüre, dann werde ich ermutigt, dir zu zeigen, dass auf meiner Stirn „Chef“ steht und nicht auf deiner. 

Versuche zu verstehen, was deinem Chef wichtig ist

Frage dich stattdessen: Warum ist denn mein Chef so? Warum ist das Verhalten so? Steht er unter immensem Druck? Ist das seine intuitive Art zu führen? Ermutigt und belohnt die Unternehmenskultur diese Art von Verhalten? Welche Gründe liegen seinem Verhalten zugrunde? Wie kann ich am besten darauf reagieren und eine vertrauensvolle Basis schaffen? 

Im Regelfall basiert Micromanagement auf der allgemeinen Ansicht, dass die Standards der Welt nicht so sind, wie sie sein sollten, so nach dem Motto: „Ich kann alles besser, du kannst es nicht. Deswegen muss ich dir helfen.“

Daher musst du dich bewusst und ehrlich bemühen, das Vertrauen deines Vorgesetzten zu gewinnen, indem du in dem Bereich erfolgreich bist, der ihm bzw. ihr wichtig ist. Es kommt nicht darauf an, dass du glaubst, dass die Aufgabe gut erledigt ist. Es kommt darauf an, dass dein Vorgesetzter glaubt, dass die Aufgabe gut erledigt ist, und er hat womöglich einen ganz anderen Maßstab. Er kann ganz andere Dinge wichtig finden, Pünktlichkeit vor Qualität oder umgekehrt. 

Du musst herausfinden: Was braucht dein Chef, um Sicherheit zu bekommen? Identifiziere also die Dinge, die den Stress deines Vorgesetzten reduzieren. Man kann natürlich auch fragen: „Ich habe das Gefühl, dass du ziemlich unter Druck stehst. Kann ich dir irgendwie helfen?“ 

Ein Wort zur Vorsicht: Chefs können lange und viel reden. Eine gute Taktik ist daher, mit deinem Chef oder deiner Chefin vor Beginn der eigentlichen Arbeit zu besprechen, wie, wie häufig und über welchen Kanal er bzw. sie denn eingebunden werden möchte. 

Da sollte man sich grundsätzlich einigen. 

Nutze die Gelegenheit zu erklären, was deiner Ansicht nach die ideale Vorgehensweise ist, und bitte dann um Input (dafür musst du aber die Leitprinzipien/ Anforderungen deines Vorgesetzten an die Arbeit kennen). Bedenke auch, dass es nicht ausreicht, jeden zweiten Tag eine E-Mail zu schicken oder dergleichen. Da müssen schon auch die wichtigsten Inhalte für deinen Chef drin sein.

Wenn du z. B. an einer Marketingkampagne arbeitest, dann solltest du über die Botschaft sprechen, die du senden willst, und nicht über die Schriftart, die du verwenden möchtest. Wenn sich die Diskussion zu sehr auf die Details konzentriert, dann versuch sie auf den Ursprung zurückzubringen, auf den ihr euch geeinigt hat. Erinnere deine Vorgesetzten daran, dass es besser ist, wenn sie sich nicht in Kleinigkeiten einmischen.

Halte den micromanagenden Chef auf dem Laufenden

Denke dran, dass Micromanager Angst haben. Sie sind nervös, ob jemand anders die Dinge so gut oder so machen kann, wie sie es selber tun würden oder wie sie glauben, dass sie es tun würden. Wie begegnest du dieser Sorge? Indem du deine Führungskraft über den Fortschritt deines Projektes, deiner Aufgabe regelmäßig informierst. Halte deinen Chef oder deine Chefin einfach auf dem Laufenden. 

Unaufgefordert E-Mails schicken, wichtige Informationen teilen, lautet die Devise. Was, wenn deine Vorgesetzten deutlich gemacht haben, dass sie über Details Bescheid wissen wollen? Dann gib ihnen die Details, die sie haben wollen. Auch wenn es ärgerlich ist und du denkst: ,Was für eine Zeitverschwendung …‘ Es wird dir aber in Zukunft viel Arbeit und Mühe ersparen, die Details zu erwähnen, denn du wirst es so oder so machen müssen – wenn nicht jetzt gleich, dann eben später.

Fragen sofort klären

Wenn du Fragen hast oder eine Klärung brauchst, warte nicht bis zur letzten Minute, sondern trete sofort an deine Vorgesetzten heran. Denn ansonsten bestätigst du sie nur in ihrer Annahme, dass ihre Sorgen gerechtfertigt sind. Ganz, ganz, ganz, ganz wichtiges Feedback nur dann geben, wenn es wirklich angemessen ist! Einem Micromanager zu sagen, dass du sein kontrollierendes Verhalten nicht schätzt, wird höchstwahrscheinlich noch mehr von diesen kontrollierenden Verhalten auslösen.

Feedback geben? Vorsicht …

Einige wohlmeinende Führungskräfte sind vielleicht offen für Feedback, aber das sind zu wenige. Versuche dein Chef in einem Moment der Offenheit zu erwischen. Ein günstiger Zeitpunkt ist vielleicht die halbjährliche oder jährliche Leistungsbeurteilung, das Mitarbeitergespräch. 

Da könntest zum Beispiel sagen: „Schau mal, ich arbeite total gerne mit dir. Ist super. Es gibt nur eine Sache, die würde es noch besser machen …“ An dieser Stelle kannst du vielleicht das Thema Micromanagement, ohne das Wort zu nutzen, ansprechen. 

Du kannst natürlich auch eine vertrauenswürdige dritte Partei einbeziehen. Jemand von HR, ein Personalleiter, der dir hilft, deinen Standpunkt klarzumachen, ohne dass du das selbst machen musst. 

Aber ich wäre da sehr vorsichtig. Denn wenn du eine Führungskraft hast, die es sehr genießt, Führungskraft zu sein, die an ihrer Position hängt, dann wird er dir oder sie dir sicherlich gerne nochmal beweisen, wer hier die Macht hat. Nämlich du nicht. Das kann nach hinten losgehen, wenn keine der vorhin genannten Strategien funktioniert. 

Möchte ich wirklich hier arbeiten? 

Wenn du wirklich gar nichts lernen kannst und es einfach nur ein Kontrollfreak ist, der dir zeigen will, wo der Hammer hängt, dann ziehe in Erwägung, in einen anderen Teil des Unternehmens zu wechseln oder einen neuen Job zu suchen.

Zusammenfassend nochmal: 

  • Mach alles, was du kannst, um das Vertrauen deines Micromanagers zu gewinnen. Wisse, was deinen Chef motiviert und/oder beunruhigt. Gib dir große Mühe, seine Bedenken zu zerstreuen. 
  • Berichte regelmäßig und detailliert, damit deine Vorgesetzten über deine Fortschritte informiert sind. 
  • Bezeichne den Chef niemals als Micromanager (sollte man wirklich nicht tun) .
  • Nicht in den Widerstand zu gehen, egal ob passiv oder aggressiv. Das löst genau das Verhalten aus, das du eigentlich nicht haben möchtest. 
  • Versuch nicht, deinem Chef zu sagen, dass er übermäßig kontrollierend ist, es sei denn, du weißt, dass er offen für ein solches Feedback ist (die Wahrscheinlichkeit ist äußerst gering). 

Ich kann dir nur wünschen, dass du keinen micromanagenden Chef hast. Solltest du einen haben, weißt du nun, wie du reagieren kannst. 

Diesen Artikel zum micromanagenden Chef kannst du hier als Podcast hören. Um diese Episode und viele andere zu hören, kannst du den „Dein Team, deine Pflicht“-Podcast bei iTunes, Spotify, Amazon Music und anderen abonnieren. 

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Bildquelle Istockphoto.

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Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.

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