Was du über den Faktor Spaß bei der Arbeit wissen musst

Spaß bei der Arbeit

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So wichtig ist der Spaß Faktor bei der Arbeit

Wirklich? Ist Spaß nicht ein Konzept, das den Naiven unter uns vorbehalten ist? Schließlich hat nicht jeder das Glück, den perfekten Job in der perfekten Firma mit dem perfekten Chef und den perfekten Kollegen zu haben.

Dennoch gibt es die Vorstellung von Spaß an der Arbeit schon seit Ewigkeiten. Kulturen auf der ganzen Welt haben z. B. das Singen in die Arbeit integriert. Und das ergibt auch Sinn! Arbeitslieder werden aus zwei Gründen gesungen: um die Arbeit einer Gruppe von Leuten zu koordinieren, was die Effizienz der Arbeit verbessert, und um die Langeweile einer eintönigen Arbeit zu vertreiben – auch das steigert die Produktivität. In der heutigen Arbeitswelt kommt der Spaß normalerweise nicht vom Singen. Stattdessen wird die Arbeit erfüllend und angenehm, wenn man genau die Schnittmenge von Können und Herausforderung findet, die mit einem Gefühl von Sinn, Spaß und Autonomie einhergeht. Man wird produktiver. Und das Ergebnis verbessert sich.

Wie du es schaffst, dass alle Freude an der Arbeit haben 

Die Kernfrage ist also, wie du es schaffst, die Arbeit so angenehm zu machen, dass alle Mitarbeiter glücklich sind und daraus resultierend auch erfolgreicher? Wichtig ist zu wissen, dass es drei beeinflussende Faktoren gibt:

  • eine Herausforderung 
  • ein Sinn oder Zweck 
  • die Kombination von Spaß und Autonomie am Arbeitsplatz

Wie findest du nun die richtige Balance zwischen Können und Herausforderung?

Wenn etwas zu einfach ist, wird es langweilig; wenn etwas über zu lange Zeit hinweg zu schwer ist, wird es stressig. Im Idealfall hast du also die richtige Balance zwischen deinen Fähigkeiten und dem Grad einer Herausforderung. Leichte Überforderung ist gut. 

Allerdings ist das richtige Gleichgewicht bei jedem Menschen anders – es hängt von deiner Lernfähigkeit, deiner Einstellung, deinen Aufgaben, der Unterstützung, die du bekommst, deiner Erfahrung und so weiter ab.

Rockstars oder Superstars?

Wenn du als Führungskraft anderen Arbeitsaufgaben oder neue Möglichkeiten zuweist, ist es gut zu wissen, ob deine Teammitglieder eher „Rockstars“ oder eher „Superstars“ sind. In ihrem Buch Radikale Offenheit“ beschreibt Kim Scott diese beiden Arbeitsweisen. Die Rockstars legen laut Scott Wert auf Stabilität – daher das „Rock“ in ihrem Namen. Rockstars sind nicht an Karrierefortschritten oder Beförderungen interessiert (obwohl sie es zu anderen Zeiten sein könnten). Superstars sind an Aufstiegsmöglichkeiten interessiert, und sie legen Wert auf Beförderungen und neue Möglichkeiten, ihre Fähigkeiten zu teilen oder weiterzuentwickeln. Menschen können sich zwischen diesen beiden Modi bewegen. Wenn du zum Beispiel gerade ein Baby bekommen hast, bist du vielleicht im Rockstar-Modus, während du dich an dein neues Leben anpasst. Oder vielleicht bist du ein Rockstar, weil du deine Arbeit liebst und keine Lust hast, in eine andere Rolle zu wechseln.

Der Unterschied ist wichtig

Oftmals sind sich Führungskräfte nicht bewusst, dass es diesen Unterschied gibt, geschweige denn, in welchem Modus sich ihre Mitarbeiter befinden. Es ist schwer, deinen Mitarbeitern zu helfen, das Gleichgewicht zwischen Können und Herausforderung zu finden, wenn du nicht weißt, was ihnen wichtig ist. Denn dann könnte es sein, dass du dich und deine Teammitglieder unter Stress setzt, in Konflikte gerätst oder sogar versagst.

Du siehst also: Ein und derselbe Umstand wird von den Leuten unterschiedlich interpretiert, je nachdem ob sie sich im Rockstar- oder um Superstar-Modus befinden. 

Hier ein Beispiel dafür, wie wichtig es ist, diese beiden Modi zu identifizieren:

Ich wollte ein Teammitglied bitten, bei einem großen Event einen Vortrag zu halten. Das war keine kleine Sache. Ich war hin- und hergerissen, ob ich sie fragen soll; ich hatte zwar durchaus  Vertrauen in die Fähigkeiten meiner Mitarbeiterin, den Vortrag zu halten, wollte mich ihr aber nicht aufdrängen. Also nahm ich an, dass sie sich im Rockstar-Modus befand, wo diese Art von Anfrage nicht von Interesse wäre. Als ich schließlich fragte, ob sie bereit wäre, einzuspringen, war sie begeistert von der Möglichkeit, die Führung zu übernehmen und den Vortrag zu halten. Sie befand sich nämlich nicht im Rockstar-, sondern im Superstar-Modus und war freute sich darauf, mehr Verantwortung zu übernehmen. Hätte ich das im Voraus gewusst, wäre mir das Fragen wesentlich leichter gefallen. Wichtiger noch: Ich hätte eine effektivere Führungskraft sein können, indem ich andere Möglichkeiten für meine Kollegin identifiziert hätte, die mit ihren Karrierewünschen übereinstimmten.

Wenn du noch nicht mit jeder Person in deinem Team über ihre Berufswünsche und Karrierewünsche gesprochen hast, dann mach einen Termin aus. 

Bedeutung oder Zweck für Organisationen, Teams und Individuen

Natürlich ist es wichtig, bei der Arbeit einen Sinn zu finden. Im Englischen spricht man hier im Allgemeinen vom Purpose. Gern weise ich hier auf meinen Kurs Culture eats strategy for breakfast – wie du virtuell eine Kultur einführst hin,  bei dem sich alles um den Purpose dreht. Und für manche Organisationen, Teams und Individuen ist der Purpose oder Zweck der Arbeit explizit und überzeugend. Was aber, wenn der Purpose explizit, aber nicht zwingend ist? Oder umgekehrt? Oder weder explizit noch zwingend? In diesen Fällen kommt das Gefühl, dass deine Arbeit wichtig ist und dass du deshalb wichtig bist, nicht so leicht auf.

Schauen wir uns das mal auf 

  • Organisations-, 
  • Team- und 
  • individueller Ebene 

an.

Organisationen: 

Kennst du den Purpose deiner Organisation? Nicht was deine Organisation macht, nicht ihre Produkte, sondern warum sie jenseits des Geldverdienens existiert? Ein klarer und zwingender Purpose kann deine Wahrnehmung von Arbeit verändern.

Teams: 

Welchen Purpose oder Auftrag hat dein Team, der wiederum zum Purpose der Organisation beiträgt? Gewährleistet ihr die Sicherheit für Mensch und Umwelt? Bringst du neue Innovationen auf den Markt, die die Welt voranbringen? Wenn du den Purpose deines Teams mit dem der Organisation verbindest, erdet ihr euch und gebt euch eine Richtung.

Individuen: 

Wie trägt das, was du jeden Tag tust, zum Erfolg des Teams und/oder der Organisation bei? Ob du Buchhalter, Assistent, Social-Media-Manager, Grafikdesigner, Verkäufer oder eine andere Funktion hast: Kannst du eine Verbindung zwischen deinen Aufgaben und dem Purpose des Teams und der Organisation herstellen? Kannst du als Führungskraft die Punkte für jede Person in deinem Team zu einem einheitlichen Bild verbinden, und was noch wichtiger ist, können sie das auch? Wenn nicht, wird bei deinen Teammitgliedern kaum das Gefühl aufkommen, dass ihre Aufgabe eine Rolle spielt. 

Um dein Team zu stärken, brauchst du ein Leitbild. Es sollte deine Kollegen inspirieren und sie auf ein gemeinsames Ziel ausrichten. Du kannst dich auch mit jedem Teammitglied einzeln treffen, um zu besprechen, wie deren Rolle zum Erfolg des Teams und der Organisation beiträgt. Du musst allen dabei helfen, die Bedeutung ihrer Rolle zu erkennen.

Spaß hat seinen Platz in der Arbeit

Das Great Place to Work Institute sammelte Daten aus einer riesigen Forschungsdatenbank zum Thema Spaß bei der Arbeit. Es hat festgestellt, dass gut performende Unternehmen durchweg deutlich bessere Noten für „Spaß“ erhalten. Arbeit kann natürlich stressig sein. Doch wenn wir gestresst sind, ist es weniger wahrscheinlich, dass wir hervorragende Ergebnisse produzieren. Etwas Leichtigkeit lockert die Atmosphäre auf, so dass unsere Gehirne sich entspannen und eine bessere Leistung erbringen wollen.

Eines meiner Teams machte ständig Witze über Eulen. Das lag daran, dass in der Firma das geflügelte Wort galt: „How to draw an owl“, was so viel bedeutete wie „Wenn du nicht weißt, wie es geht, dann musst du einen Weg finden“. Wenn jemand eine Eule sah, knipste er ein Foto und sandte es ans Team (v Slack, Whatsapp und iMessage). Es war ein Insider-Witz für das Team und bot eine Möglichkeit, Spaß zu haben. Ich bekomme heute noch manchmal eine Eule von einem ehemaligen Teammitglied geschickt – nach mehreren Jahren. Und wenn ich gerade darüber nachdenke, so juckt es mich in den Fingern, sofort eine Eule zu finden und an mein altes Team zu schicken.

Erinnerst du dich an das Foto eines Kleides, das vor ein paar Jahren viral ging?

Einige Menschen sahen es als blau und andere als gold. Die Leute führten online hitzige Gespräche darüber. Ein Mitglied meines Teams hat es per E-Mail im Team geteilt und das ganze Team hat sich eingeschaltet. Wir debattierten tagelang darüber. Es war ein Wettbewerb, wie du ihn sonst nur in Tippgemeinschaften für Fußball-Europa- oder -Weltmeisterschaften findest. Ein freundschaftlicher Wettbewerb und Austausch kann ein Arbeitsumfeld beleben.

Autonomie, die funktioniert

Schon in einem meiner letzten Podcasts/Blogposts habe ich über Autonomie gesprochen und wie wichtig sie ist. Ich finde es spannend, wie die ein und dieselbe Aktivität als positiv oder als negativ empfunden wird. Ganz abhängig davon, ob wir sie machen wollen oder müssen. Ich sehe das oft beim Protokollieren von Meetings. Wenn uns jemand diese Rolle zuweist, kann es sich wie eine banale Aufgabe anfühlen. Aber wenn der Moderator um einen Freiwilligen bittet, der sich Notizen macht und dabei hilft, eine solide Aufzeichnung des Meetings zu erstellen, dann fühlt es sich eher wie eine Gelegenheit an, zu helfen. Das gibt uns wiederum ein gutes Gefühl. Wenn du Autonomie in deinem Team möglich machst, gibst du allen ein Gefühl der Kontrolle. Das ist etwas, das wir uns alle wünschen.

Der Spaßfaktor ist unglaublich wichtig

Spaß bei der Arbeit zu ermöglichen ist eine komplexe Aufgabe, die individuelle Arbeitsweisen, Sinn und Zweck sowie Freude und Autonomie berücksichtigt. Basierend auf neuen Erkenntnissen über die Funktionsweise des Gehirns ist es nicht länger ein „Nice-to-have“ am Arbeitsplatz. 

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Bildquelle Istockphoto.

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Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.

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