Charles Dickens Weihnachstgeschichte für Führungskräfte

Eine Weihnachtsgeschichte

Dieser Artikel basiert auf der Episode „Charles Dickens für Führungskräfte“ des Podcasts Dein Team, Deine Pflicht. Um diese Episode und viele andere zu hören, kannst du den Dein Team, deine Pflicht Podcast bei iTunes, Spotify, Amazon Music und anderen abonnieren. Auch gibt es diesen Artikel als Video hier zu sehen.

Wenn du Weihnachten 2020 eine Führungskraft bist, dann ist es gut möglich, dass du dich wie Ebenezer Scrooge (sprich Ebenieser Skruhdsch) fühlst. Du kennst Ebenezer Scrooge nicht? Aus der Weihnachtsgeschichte von Charles Dickens? Dann ist das meine Buchempfehlung für dich. Oder besser noch meine Streaming-Filmempfehlung. Und zwar in der Version von Disney mit den Muppets. 

Ich will dir aber dennoch kurz erzählen, um was es geht:

Nämlich um einen geizigen alten Geschäftsmann, der dafür sorgt, dass sich jeder in seiner Gegenwart erniedrigt fühlt. Bob Cratchit, sein Angestellter, leidet still unter Scrooge. Er fühlt sich weder geschätzt noch respektiert und seine Familie leidet mit ihm.

Am Heiligabend bekommt Scrooge Besuch vom Geist seines ehemaligen Geschäftspartners Jacob Marley, der ihn vor seinem gedankenlosen und ungerechten Verhalten warnt. Scrooge  wird auch von den Geistern der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten besucht.

Nach ihren Besuchen kann Scrooge sehen, wie sich sein egoistisches und rücksichtsloses Verhalten negativ auf die Menschen um ihn herum ausgewirkt hat. Letztendlich verwandelt er sich in einen freundlicheren, sanfteren Mann.

Fezziwigs Weihnachtsfeier

In einer Szene nimmt der Geist der vergangenen Weihnacht Scrooge mit zu einer Weihnachtsfeier, die von seinem ehemaligen Arbeitgeber, Mr. Fezziwig, veranstaltet wird. Scrooge schaut sich die Szene an und wundert sich, wie glücklich sich alle immer bei Mr. Fezziwig gefühlt haben. Als er von seinem ehemaligen Arbeitgeber spricht, erklärt Scrooge dem Geist: „Er hat die Macht, uns glücklich oder unglücklich zu machen; unseren Dienst leicht oder beschwerlich zu machen; ein Vergnügen oder eine Mühsal… seine Macht liegt in Worten und Blicken; in Dingen, die so geringfügig und unbedeutend sind, dass es unmöglich ist, sie zu addieren und aufzuzählen: Das Glück, das er gibt, ist so groß, als ob es ein Vermögen kosten würde.“

In deinem Fall liegt es aber nicht daran, dass du ein kaltes Herz hast oder nicht fähig bist, großzügig zu sein – es liegt daran, dass sich die Wirtschaft nicht so schnell erholt, wie du es wolltest, und ein Gefühl der Unsicherheit alle deine Entscheidungen plagt. Die Realität ist, dass es in der heutigen Wirtschaftslage für Führungskräfte sehr schwierig ist, großzügige Weihnachtsgeschenke oder hohe Prämien zu zahlen.

Aber deine Großzügigkeit wird nicht nur an den Geschenken und Boni gemessen, die du machst. Sie wird auch an der Freundlichkeit gemessen, die du jeden Tag zeigst.

Leider ist es nicht so einfach, freundlich zu sein, wie es sich anhört.

Den Menschen um dich herum zu helfen, sie zu ermutigen und auf alle Rücksicht zu nehmen, das ist eine Herausforderung. Wenn der Stresspegel steigt, die Projekte sich der kritischen Phase nähern und die Persönlichkeiten anfangen, aufeinanderzuprallen, dann wird es zuweilen schwierig.

Es braucht die Geister der vergangenen, gegenwärtigen und zukünftigen Weihnachten, um Scrooge in eine gütige, gebende Seele zu verwandeln. Und hoffentlich können dieselben drei Geister auch dir helfen, Muster der Freundlichkeit zu entwickeln:

1. Der Geist der Produktivitätsvergangenheit

Feiere die bisherigen Erfolge deiner Mitarbeiter oder Teammitglieder. Erinnere sie aktiv daran, wie beeindruckt du von ihren früheren Leistungen warst. Menschen denken gern an ihre früheren Erfolge  zurück und das treibt sie an, weiter zu performen.

Außerdem baut die Erinnerung an vergangene Erfolge ein organisatorisches Gedächtnis auf und die Mitarbeiter werden ihren Platz in diesem kollektiven Gedächtnis haben wollen.

2. Der Geist der Belohnung der Gegenwart

Allzu oft bleiben die kleinen Dinge während des Tagesgeschäfts unbemerkt. Wenn du etwas siehst, das dir gefällt, oder ein bestimmter Teil eines Projekts wurde gut gemacht, sag sofort etwas. Spar dir deine freundlichen Worte nicht für eine Leistungsbewertung am Ende des Jahres auf. 

Die Mitarbeiter erinnern sich an die kleinen, informellen Komplimente – mehr als an Urkunden, Orden und Boni. Kleine, ungezwungene Komplimente und handgeschriebene Notizen kommen von Herzen. Sie sind ein wahres Spiegelbild dessen, was du fühlst, und die Mitarbeiter reagieren positiv auf sie.

3. Der Geist der Entwicklung der Zukunft

Es gibt eine alte Regel über erste Dates: Wenn der andere ein zweites oder drittes Treffen erwähnt, dann weißt du, dass dein Date gut läuft. Dieselbe Faustregel lässt sich auch auf den Arbeitsplatz anwenden. Du solltest deinen Teammitgliedern oder Mitarbeitern von zukünftigen Veranstaltungen und Projekten erzählen, bei denen du gerne mit ihnen zusammenarbeiten möchtest. Dann wissen sie, dass du dich langfristig für ihren Fortschritt, ihre Entwicklung und ihre Karriere einsetzt. 

Diskutiere mit ihnen über Projekte, die du mit ihnen in der Zukunft machen möchtest. Zeige ihnen, welche neuen Fähigkeiten und Fertigkeiten sie in den kommenden Herausforderungen erlernen werden. Indem du die Zukunft mit deinen Kollegen planst, gibst du ihnen das Gefühl, dass du dir eine langfristige Partnerschaft wünschst und ihre Meinung genauso schätzt wie ihre Arbeit.

Am Ende von „A Christmas Carol“ geht ein belebter und glücklicher Scrooge früh in sein Büro und wartet auf die Ankunft seines Angestellten Bob Chrachit. Cratchit taucht spät auf und sagt zaghaft, dass er sich verspätet hat, weil er „ziemlich fröhlich an Weihnachten war“.

Scrooge versucht seinen alten finsteren Blick aufzusetzen, aber seine neue Freude überwältigt ihn und er gibt Bob Crachit neben einer Gnadenfrist sogar eine Gehaltserhöhung.

Du kannst vielleicht nicht jedem in deiner Organisation eine Gehaltserhöhung geben – aber du kannst ihnen sicherlich eine kleine Gnadenfrist über die Feiertagspause gewähren, damit jeder Einzelne fröhlich sein kann.

Dieser Artikel basiert auf die Episode „Charles Dickens für Führungskräfte“ des Podcasts Dein Team, Deine Pflicht. Um diese Episode und viele andere zu hören, kannst du den Dein Team, deine Pflicht Podcast bei iTunes, Spotify, Amazon Music und anderen abonnieren. Auch gibt es den Artikel hier als Video zu sehen.

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Bildquelle Istockphoto.

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Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.

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