Zoom – 8 Tipps, wie du die Müdigkeit besiegst

Zoom Müdigkeit

Überall liest man, dass außergewöhnliche Zeiten außergewöhnliche Lösungen brauchen. Für viele Firmen bedeutet das den Wegfall von Dienstreisen und das Ausbleiben von Vor-Ort-Meetings. Stattdessen werden ortsunabhängige Zoom-Calls einberufen oder andere Videocall-Anbieter genutzt. Es geht darum, dass die Teams in Verbindung bleiben sollen und wichtige Absprachen weiterhin getroffen werden können, um die Arbeit so wenig wie möglich leiden zu lassen.

Anfangs bestand noch die Herausforderung darin, zum richtigen Zeitpunkt im richtigen Meetingraum anwesend zu sein. Oder das Ganze bei möglichst stabiler Internetverbindung durchzuführen. Oder ohne dass Mitbewohner oder Familie in unpassendem Aufzug im Hintergrund zu sehen sind. Wenige Wochen später machte sich ein Phänomen breit, das sich neudeutsch Zoom-Fatigue, also Zoom Müdigkeit nennt. Die Menschen empfinden das Abhalten von Videokonferenzen inzwischen als ermüdend, ja sogar energieraubend.

Beobachtest du bei dir folgende Erscheinungen?

  • Du verlässt den Call eher müde als energetisiert.
  • Du bekommst nicht das gleiche soziale Hoch, das du sonst fühlst, wenn du dich mit Menschen persönlich triffst.
  • Permanente Störungen des Meetings (Menschen verlassen den Computer, Kinder sind plötzlich anwesend, der Partner läuft im Raum herum) geben dir das Gefühl unzureichender Kommunikation.
  • Technische Probleme oder Internetstörungen machen dich wütend.
  • Du fühlst dich oft verwirrt oder unbehaglich während des Meetings.
  • Ständig denkst du an die Arbeit, auch zu Hause.
  • Du fragst dich, warum ihr überhaupt Videocalls veranstaltet.

Was ist eigentlich Zoom Müdigkeit?

Zoom Müdigkeit oder sogar Zoom Burnout ist das Gefühl von Überlastung, das Menschen bekommen, nachdem sie an zu vielen Videocalls teilgenommen haben. Experten sagen inzwischen, dass es daran liegt, dass die viele Technik unser menschliches Gehirn überlastet. Tatsächlich fühlen sich viele Menschen vor einem Videocall angespannt, ja sogar gestresst. Nach dem Call fühlen sie sich ausgelaugt, teilweise sogar verzweifelt. Das eigentliche Problem ist, dass wir in einem Videocall die anderen Menschen deutlich schlechter »lesen« können. Menschen berichten, dass sie sich wie während einer Präsentation fühlen, selbst wenn sie nur im Meeting sitzen. Daraus resultiert eine ungesunde Menge Stress und Angst.

5 Wege, wie dich ZOOM-Calls beeinflussen

1. Du kannst keine Körpersprache lesen:

Körpersprache ist schon da, lange bevor Menschen sich mit Worten ausdrücken. Sie sagt uns, ob jemand Freund oder Feind ist, glücklich oder unglücklich. Es ist eine besondere Art, Vertrauen und Verbindung aufzubauen.

Während eines Zoom-Calls ist es unglaublich schwer, Körpersprache überhaupt zu lesen, weil wir nur deutlich weniger als während eines direkten Treffens wahrnehmen können. Das liegt unter anderem am Bildschirmausschnitt und / oder an einer schlechten Videoqualität. Während wir in einem Live-Meeting den gesamten Körper wahrnehmen und auch eine Schwingung übertragen wird, sehen wir im Videocall lediglich den Teil des Körpers, den uns unser Gegenüber quasi präsentiert.

Während einer normalen Begegnung von Angesicht zu Angesicht siehst du den Menschen und stellst direkten Augenkontakt her. Auch kleinere Körpersprachezeichen kannst du deuten. Während du im direkten Kontakt schon aufmerksam sein musst, um alles wahrzunehmen, ist es in einer Videokonferenz quasi unmöglich. Nicht zu vergessen, dass bestimmte Hinweise nur Sekundenbruchteile zu sehen sind. In einer Videokonferenz sind sie quasi nicht zu bemerken.

2. Zoom ist immer verfügbar:

Eine steigende Anzahl an Menschen arbeitet inzwischen mehr oder weniger dauerhaft im Home Office. Es ist daher für viele quasi unmöglich geworden, Arbeit und Privates zu trennen.

Wenn du das Büro verlässt, bist du deutlich schwieriger zu erreichen. Wenn du aber von zu Hause aus arbeitest, dazu noch mit der Möglichkeit »kurz mal einen Zoom-Call zu machen«, bist du quasi dauerhaft erreichbar. Viele Menschen berichten, dass sie seither mehr denn je das Bedürfnis haben, auszugehen.

Das Problem ist, dass sie ständig ihr Handy checken, ob etwas arbeitsrelevantes aufgepoppt ist. Hinzu kommt, dass Zoom-Calls oft auch zu eher »ungewöhnlichen« Zeiten abgehalten werden, weil es ja eben nur kurz dauern soll.

3. Du verspürst mehr negative Emotionen als normalerweise:

Hast du je einen Zoom-Call ärgerlicher verlassen, als du ihn betreten hast? Vielleicht magst du einfach nicht, wie du aussiehst.

Das klingt auf den ersten Blick verrückt – ist es aber gar nicht. Tatsache ist, dass wir uns in direkter Kommunikation nicht selbst beobachten. Zoom-Calls schalten uns auf den Vollbildmodus, sobald wir sprechen. Wir sind es aber nicht gewöhnt, uns ständig zu beobachten, während wir sprechen. Plötzlich nehmen wir wahr, wie ärgerlich wir gerade wirken und das führt uns in eine Art Negativ-Schleife.

4. Deine Kampfhormone melden sich zu Wort:

Experten berichten, dass wir Zoom- Calls so empfinden, als ob der andere gerade mal 60 Zentimeter von uns entfernt stünde. Für viele Menschen ist das bereits eine Art Kampfzone. Tatsächlich ist es so, dass wir üblicherweise nur uns sehr nahestehende Menschen in diese Zone vordringen lassen oder – um die Wahrheit zu sagen – Menschen, mit denen wir körperlich kämpfen. Daher berichten viele Menschen, sie würden sich wie während eines Kampfes fühlen, wenn sie an einer Videokonferenz teilnehmen.

5. Du bist weniger freundlich:

Tatsache ist, dass wir nur 1,2 Sekunden haben, um jemanden als freundlich oder unfreundlich wahrzunehmen. Während eines Videocalls tritt eine rein technische Verzögerung ein. Unbewusst nehmen wir diese Verzögerung als Unfreundlichkeit wahr. Dein Gegenüber reagiert, sobald er etwas wahrnimmt. Die technische Verzögerung, die sich aber beiderseits auswirkt, lässt ihn auch minimal – jedoch entscheidend später wahrnehmen, was gerade passiert. So kommt eine rein technische Antipathie viel schneller auf als in einem direkten Treffen.

Was kannst du gegen all diese Erscheinungen tun?

Hol dir das Gefühl der »Macht« zurück. Mit diesen Tipps kannst du es schaffen:

  1. Lies nur Gesichter:
    • Während eines Zoom-Calls wirst du deutlich mehr Gesichter als im normalen Leben sehen. Lerne, winzige Mikromimiken zu lesen und das Ganze möglichst schnell. So kannst du dein Gegenüber schneller einschätzen.
  2. Vermeide Multitasking:
    • Die Versuchung ist groß, während eines Videocalls weitere Fenster zu öffnen, um »nur mal schnell« deine Mails zu checken. Fokussiere dich zu 100 Prozent auf den Videocall.
  3. Limitiere deine Calls:
    • Wenn du in einer Woche mehrere Calls mit den gleichen Menschen haben sollst – reduziere auf einen Call. Wenn etwas eigentlich keinen ganzen Call ergibt – schick stattdessen eine E-Mail.
  4. Nutze deine Power-Stimme:
    • Während eines Videocalls nimmt deine Stimme einen wichtigen Raum ein. Lass sie kraftvoll klingen. Stimmexperten sagen übereinstimmend, dass Menschen kraftvoller klingen, wenn sie sprechen, während sie ausatmen. Nutze die Einatmung, um eine bedeutungsvolle Pause einzulegen.
  5. Bewege dich:
    • Wenn ein Meeting tatsächlich länger als eine Stunde dauern muss, leg eine Pause ein. Und statt in dieser Pause »schnell mal« dein Handy zu checken – steh auf und streck dich. Du wirst dich danach deutlich stärker fühlen.
  6. Konzentriere dich auf das Gute:
    • Videocalls sind ohnehin eine Herausforderung und leider nutzen viele Menschen dieses Forum, um direkt mit einer negativen News um die Ecke zu kommen. Leg hier eine neue Regel fest, die besagt, dass negative Themen, sofern sie nicht dringend nötig sind, ausgelassen werden.
  7. Benutze bedeutende Eisbrecher:
    • Vermeide langweilige Einstiegsfragen wie »Wie ist das Wetter bei euch?« Überrasche stattdessen mit ungewöhnlichen Fragen wie »Wenn du dir eine Superkraft aussuchen könntest – welche wäre das und warum?« So eine Aktion sorgt für Aufmerksamkeit und sie bleibt definitiv im Gedächtnis.
  8. Achte auf dein Outfit:
    • Die Versuchung ist groß, im gemütlichen Pulli und der Schlabberhose zu Hause zu arbeiten. Wenn du ein Arbeitsoutfit hast – zieh es an. Wenn du noch keins hast – leg dir eins zu oder such dir eins aus. Achte darauf, dass du möglichst professionell aussiehst. Das geht von der Kleidung über dein Styling bis hin zur Körperhaltung.

Wenn du diese Tipps beachtest, wirst du die nächsten Zoom-Calls sicher gut überstehen.

Diesen Blogbeitrag kannst du hier auch als Podcast hören.

Bildquelle von Istockphoto.

Beitrag teilen

Share on facebook
Share on linkedin
Share on xing
Share on email

Willst du Nörgler und Quertreiber wieder auf Spur bringen?

Dann hol dir jetzt mein kostenloses Training!

Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.