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Warum dein Team immer an erster Stelle sein muss

Dieser Artikel basiert auf der Podcast-Folge „Warum du dein Team zu deiner höchsten Priorität machen solltest“ des Dein Team, Deine Pflicht Podcasts. Um diese Folge und viele weitere zu hören, kannst du den „Dein Team, Deine Pflicht“-Podcast z. B. auf iTunes, Spotify und Amazon Music abonnieren.

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Der Begriff „dienende Führung“ mag paradox klingen

Aber ich bin sicher, dass du das schon einmal gehört hast. Friedrich der Große sah sich selbst als erster Diener des Staates und setzte tiefgreifende gesellschaftliche Reformen durch, schaffte die Folter ab und forcierte den Ausbau des Bildungssystems. Du bist also in keiner allzu schlechten Gesellschaft, wenn du dich mit dem Konzept der „dienenden Führung“ auseinandersetzt. 

Typischerweise sind es ja die Führungskräfte, die bedient werden sollen, oder?

Wird aber nicht überall so gehandhabt! Ich erinnere mich noch gut als ganz junge Führungskraft  bei der Bundeswehr, dass die Soldaten als Erstes zu essen bekamen, dann die Unteroffiziere und erst zum Schluss die Offiziere. Auch im US Marine Corps ist das so – Simon Sinek hat sogar ein ganzes Buch darüber geschrieben:  https://simonsinek.com/product/leaders-eat-last/

Du bist der Meinung, dass Führungskräfte auf der Karriereleiter nach oben geklettert sind und sich daher das Privileg verdient haben, andere Menschen zu leiten?

Ich bin anderer Meinung

Führungskräfte, die ihre Teams an die erste Stelle setzen, sind die wahren Top-Manager. Alles, was du als Führungskraft tust, wird von deiner Einstellung zum Team beeinflusst: von dem Maß an Autonomie, das du gewährst, von der Art und Weise, wie du in die Entwicklung deiner Kollegen investierst, und von der Kultur des Respekts und der Dankbarkeit, die du aufbaust. Wenn du dein Team an die erste Stelle setzt, setzt du das Potenzial deiner Mitarbeiter frei und bald wird klar, dass es keinen besseren Führungsstil gibt.

Dienende Führung ist eine Führungsphilosophie flankiert von einer Reihe von Methoden

Während „dienende Führung“ ein Konzept ist, das von antiken Führungspersönlichkeiten wie Lao-Tzu und Chanakya zum Ausdruck gebracht wurde, gelangte der Begriff  in den 1970er Jahren wieder ins Bewusstsein. Robert K. Greenleaf arbeitete 40 Jahre lang bei AT&T (damals die American Telephone and Telegraph Company). Er prägte den Begriff in einem Essay mit dem Titel „The Servant as Leader“. Greenleaf schrieb:

„Eine dienende Führungskraft konzentriert sich in erster Linie auf das Wachstum und Wohlergehen der Mitarbeiter ihres Teams. Während traditionelle Führung im Allgemeinen die Anhäufung und Ausübung von Macht durch jemanden an der ‚Spitze der Pyramide‘ beinhaltet, ist dienende Führung anders. Die dienende Führungskraft teilt die Macht, stellt die Bedürfnisse anderer an die erste Stelle und hilft den Menschen, sich zu entwickeln und die bestmögliche Leistung zu erbringen.“ 

Das große Ganze 

Was bedeutet es, dein Team an die erste Stelle zu setzen? Das kann einiges bedeuten. Aber lass uns damit beginnen, wie du deinen Stil anpasst, damit jedes deiner Teammitglieder sein bestes Selbst sein kann. Wenn du bisher geführt hast wie ein Boss, dann ist es jetzt an der Zeit, sich von diesem Denken zu verabschieden.

Und so gehts: Jede Person in deinem Team braucht zu verschiedenen Zeiten etwas anderes von dir. Zum Beispiel: 

  • Manche müssen inspiriert werden  
  • Einige brauchen viele Details  
  • Andere brauchen regelmäßige Termine und Feedback  
  • Wiederum andere musst du laufen lassen

Mit dem Ansatz der dienenden Führung verändert sich deine Aufgabe als Führungskraft von dem des Dirigenten zu dem des Coaches und Cheerleaders. Als Dirigent gibst du dem Team Anweisungen, was sie zu tun haben, wann sie es tun sollen und wie sie es tun sollen. Als Coach und Cheerleader hingegen gibst du Struktur, Ratschläge und Unterstützung, damit jede Person die Fähigkeiten entwickelt, die sie für den Erfolg braucht. 

Eine Analogie im Fußball wäre, wenn du einige Teammitglieder Elfmeterschießen üben lässt, während andere Sprints laufen. Du feuerst an, aber nimmst sie auch in die Verantwortung.  

Ich habe diese Lektion gelernt, nachdem ich über ein Teammitglied frustriert war

Es hat immer wieder Details übersehen und nichts zu Ende gebracht. Zu meiner wöchentlichen Routine gehörte ein „Brain Dump“. Als ich den Betreffenden schließlich darauf ansprach, gab er zu, dass es schwer war, mit diesen „Brain Dumps“ Schritt zu halten. Einige Punkte waren Aufgaben, andere waren nur Informationen. Ich war mir nicht immer darüber im Klaren, was was war. Außerdem habe ich die Punkte nicht in einer logischen Reihenfolge kommuniziert. Die Schwierigkeit war, dass ich einen neuen Punkt eingeführt habe, bevor ich den letzten abgeschlossen hatte. 

Was war die Lösung? Ich begann stattdessen Listen zu schreiben. Wir gingen die Liste morgens ein paar Minuten lang durch, besonders die komplexeren Punkte. Anstatt die Dinge, die er nicht zu Ende brachte, als sein Problem zu betrachten, habe ich es als eine Gelegenheit für mich gesehen, mein Verhalten zu ändern! Genau das meinte Greenleaf, als er von geteilter Macht schrieb. Das ist dienende Führung.

Dienende Führung in Aktion

Welche Arten von Verhaltensweisen zeigt eine dienende Führungskraft? Wenn du in einer großen Firma arbeitest, kann dich die Bürokratie frustrieren. Deine Aufgabe als Führungskraft ist es nun, Hindernisse aus dem Weg zu räumen und deine Mitarbeiter vor Eingriffen und oder Ideen der übergeordneten Führungskräfte zu schützen, damit sie sich auf die Arbeit konzentrieren können. Deine Aufgabe ist es also, die Arbeit deines Teams zu ermöglichen. Wenn es auf Schwierigkeiten mit Kollegen aus einer anderen Abteilung oder einer anderen Führungskraft stößt, musst du helfen, das Problem zu beheben. 

Hier ein Beispiel:

Eine Mitarbeiterin von mir war einmal eine „geteilte Ressource“. Das bedeutet, dass sie etwa 20% ihrer Zeit in einem Projekt außerhalb ihrer Hauptverantwortung verbrachte. Als der Projektleiter dieses Nebenprojekts ihre gute Arbeit sah, gab er ihr immer mehr und mehr. Sie erwähnte ihm gegenüber, dass sie nur 20% für dieses Team arbeiten sollte, aber er winkte ab und sagte, dass er keine große Menge verlange und sie in der Lage sei, diese zu erfüllen.

Nach ein paar Wochen kam sie zu mir und erklärte mir die Situation. Als ihr Chef setzte ich mich sofort mit der anderen Führungskraft in Verbindung, um über angemessene Arbeitsbelastung, Grenzen und den Einsatz der Mitarbeiterin zu sprechen. Es war kein einfaches Gespräch, aber es hat die Erwartungen aller Beteiligten in Einklang gebracht und die Situation gelöst. 

Als dienende Führungskraft musst du auf unzählige Arten für dein Team kämpfen und es schützen

Du sicherst die Ressourcen, die dein Team braucht, um seine Arbeit gut zu machen. Auch setzt du dich für das Team als Ganzes und für jeden Einzelnen ein. Du repräsentierst dein Team gegenüber anderen innerhalb der Organisation. Dein Team schirmst du vor Ablenkungen und anderen störenden Situationen ab. Du hilfst, auch wenn es unangenehm ist.

Stelle dein Team über deine Bequemlichkeit

Und coache es. Es kann passieren, dass ein Teammitglied mit Problemen zu dir kommt und erwartet, dass du sie löst. Das ist ein Managementkonzept, das „einen Affen auf die Schulter setzen“ genannt wird. Hier wird der Versuch unternommen, dir die Aufgabe zurück zu delegieren.

Die Frage ist:

Was tust du, wenn Teammitglieder zu dir kommen, um dir einen Affen auf die Schulter zu setzen? In einigen Fällen könntest du die Arbeit für sie erledigen. Das ist vielleicht einfacher oder schneller. Auf lange Sicht dient es aber weder dir noch dem Team.

Top-Führungskräfte agieren wie Coaches und Berater. Sie nehmen nicht die ganze Arbeit und den ganzen Stress auf sich, sondern bleiben in einer unterstützenden Rolle: Problemlösung oder Planung und Verbesserung von Ideen.

Wenn jemand mit einem Problem zu dir kommt, versuche mit Fragen zu führen, wie: Erzähl mir von der Situation. Was daran ist frustrierend, blockiert deinen Fortschritt oder ist eine Herausforderung? Warum gibt es dieses Problem? Wie hast du bisher versucht, es anzugehen?

Viele Mitarbeiter werden mit ein paar geführten Fragen selbst zu einer Lösung kommen. Und selbst wenn sie es nicht tun, sammelst du relevante Informationen, die du dann in deiner beratenden Rolle nutzen kannst, um Ideen oder Lösungen anzubieten.

Dein Team gewinnt gemeinsam 

Dienende Führung ist besser für das Team. Wenn du ein paar kleine Anpassungen in der Art und Weise, wie du dich deinem Team gegenüber verhältst, vornehmen kannst, werden deine Mitarbeiter den Raum und das Vertrauen haben, Top-Arbeit zu leisten.

Vertraue deinem Team

Als dienende Führungskraft erzeugst du Vertrauen und ermöglichst deinen Mitarbeitern, Teil der Arbeit zu sein und nicht nur die Arbeit zu erledigen. Top-Führungskräfte sind nicht anweisend – sie vertrauen ihren Teammitgliedern, dass sie gute Entscheidungen treffen. Das bedeutet natürlich auch, dass sie manchmal scheitern werden. Deine Aufgabe ist es nun, dafür zu sorgen, dass sie auf kleine, sichere Art und Weise scheitern und daraus lernen, um langfristig erfolgreich zu sein. Wenn du sie aber schon aufhältst, bevor sie anfangen, und sagst: „Das wird nicht funktionieren, weil …“, werden sie wenig Risiken eingehen. Deine Teammitglieder werden an sich selbst zweifeln und einmalige Gelegenheiten, sich lernend zu verbessern, verpassen. Seinen Mitarbeitern zu vertrauen bringt hingegen viele Vorteile. Außerdem wissen sie vielleicht etwas, was du nicht weißt. Es kann auch sein, dass sie Fähigkeiten oder Erfahrungen haben, die dir fehlen. 

Stell gute Mitarbeiter ein, investiere in ihre Entwicklung und lass sie dann ihre Arbeit machen.

Sprich in Meetings zuletzt

Die Mitarbeiter sind sich der Machtdynamik in Meetings sehr bewusst. Als die ranghöchste Person in einem Meeting musst du anderen den Raum geben, ihre Ideen zu teilen, selbst wenn du viel zu sagen hast. Erteile deinen Kollegen das Wort und frage sie nach ihrer Meinung, bevor du deine Gedanken mit ihnen teilst.

Ich höre von vielen Führungskräften, dass sie wollen, dass ihre Teams in Meetings offener reden. Ein Teil davon beginnt damit, dass du weniger redest und außerdem als Letzter oder zumindest später im Meeting redest. Wenn du als Chef zuerst redest, gibst du den Ton an und treibst das Gespräch ohne Absicht in deine Richtung. Manche Mitarbeiter werden Ideen, die dem Chef widersprechen, nicht teilen, weil sie Angst haben oder sich unwohl fühlen. Andere werden einfach annehmen, dass Diskussionen oder andere Ideen nicht willkommen sind, da der Chef einen Pflock in den Boden gerammt hat. 

Sei bereit, dich zu irren

Dein Team erwartet nicht, dass du perfekt bist oder alle Antworten kennst, aber es erwartet (oder hofft zumindest), dass du deine Fehler zugibst. Ich habe Führungskräfte erlebt, die Angst davor hatten, zuzugeben, dass sie nicht von Anfang an die richtige Antwort hatten. Sie fürchteten, den Respekt ihres Teams zu verlieren. Das ist falsch. Ändere deine Meinung und gib zu, wenn du etwas nicht weißt. Es ist wichtiger, eine gute Lösung zu finden, als Recht zu haben.

Bitte deine Kollegen jedes Mal um Feedback, wenn du ein Einzelgespräch mit ihnen führst oder ein Projekt abschließt.

Wenn du nicht fragst, wirst du es nicht bekommen.

Und selbst wenn du fragst, wirst du wahrscheinlich freundliches Feedback erhalten. Aber wenn du dann doch mal objektives Feedback bekommst, nimm es dankbar an. Sei sehr dankbar, auch wenn du dich defensiv fühlst oder nicht einverstanden bist. Nachdem du Zeit hattest, darüber nachzudenken, überlege dir, was du anders machen möchtest, damit dein Teammitglied weiß, dass du das Feedback angenommen hast. Dies wird es zukünftig zu weiterem Feedback ermutigen. 

Sei also offen und lebe deinem Team dienende Führung vor.

Entschuldige dich, wenn du einen Fehler machst. Das kommt vor. Nimm zur Kenntnis, wenn du einen Bock geschossen hast. Wir sind alle Menschen. Natürlich solltest du hohe Standards für dich und dein Team haben, aber Top-Führungskräfte wissen, wie sie anderen helfen können, besser zu werden, und das können sie nur, wenn sie auch in sich selbst die Möglichkeiten erkennen, besser zu werden. 

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Bildquelle Istockphoto.

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Der Autor

Kai Boyd ist ausgebildete Führungskraft und zeigt Unternehmern und Einzelkämpfern, wie sie ihre Führung verbessern können. Seit 1989 führt er Teams, Abteilungen, Bereiche und als Geschäftsführer auch Firmen für Konzerne, den Mittelstand und Start-ups, darunter PricewaterhouseCoopers, die Deutsche Telekom, Telefonica, deal united, Twilio, weg.de und viele mehr. Er lebt mit seiner Familie derzeit in München, glaubt an tägliches Jogging am Morgen und schätzt gutes Essen in guter Gesellschaft.

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